Hilfe, die Spinnen kommen!

Wenn die Tage im Spätherbst kürzer und die Temperaturen kühler werden, kuscheln uns nicht nur wir Menschen gerne im Wohnzimmer unter die Decke, auch Spinnen suchen Zuflucht in warmen Räumen. In dunklen Ecken, Ritzen oder hinter Möbeln bauen die Achtbeiner ihre Netze oder kleine höhlenartige Trichter, um die kalten Monate möglichst gut zu überstehen – sonderlich willkommen sind sie bei den meisten Zweibeinern aber nicht.

„Nicht immer ist es die Kälte, die Spinnen in unsere Wohnungen locken. Manchmal verläuft sich auch ein Männchen auf der Suche nach einem Weibchen“, erklärt Arachnologe Gernot J. Bergthaler, der selbst eine Vogelspinne sowie heimische Arten zu Forschungszwecken in Terrarien hält.

Kreuzspinnen verirren sich übrigens so gut wie nie in Wohnräume, besonders häufig sind Zitter- und Hauswinkelspinnen anzutreffen. Zum Leidweisen all jener, die an Arachnophobie – also einer Spinnenphobie – leiden. Bei letzterem handelt es sich nämlich um ein durchaus stattliches Exemplar, das eine Spannweite von bis zu 11,5 Millimeter erreichen kann. Und ganz ehrlich: Wer kann noch ruhig schlafen, wenn eines dieser kleinen Monster vermutlich unterm Bett lauert?

Wie kann man sich schützen?

  • Fliegengitter: Hilft nicht nur gegen Gelsen, Wespen und Mücken, hält auch Spinnen von Wohnräumen fern.
  • Schlupflöcher: Türen und Fenster auf undichte Stellen kontrollieren, Abhilfe verschafft zum Beispiel ein Zugluftstopper.
  • Wohnung sauber halten: Netze oder Trichter regelmäßig und immer wieder entfernen. Der Spinne wird der ständige „Hausbau“ hoffentlich irgendwann zu blöd.
  • Lavendel & Minze: Das sollen Gerüche sein, die nicht nur Spinnen, sondern Insekten im Allgemeinen hassen. Es müssen nicht unbedingt Pflanzen sein, auch ein Duftöl oder getrocknetes Büschel soll genügen. Wissenschaftlich bewiesen ist das zwar nicht, aber einen Versuch wert.
Lavendelöl | Credit: Couleur/Pixabay
  • Kastanien: Auf in den Wald, Kastanien sammeln und auf Fensterbretter, Möbel oder den Fußboden legen – auch diesen Duft können Spinnen angeblich nicht ausstehen. Wichtig: regelmäßig gegen frische Exemplare austauschen.
  • Ultraschallstecker: Sendet kontinuierlich Ultraschalltöne aus, die Spinnen und Insekten im Allgemeinen als störend empfinden. Im besten Fall kommen sie erst gar nicht oder hauen schnellstmöglich wieder ab. Menschen nehmen die Geräusche nicht wahr, im Handel bereits um rund zehn Euro erhältlich.

Oftmals löst sich das Problem sogar von selbst: „Für Spinnen sind unsere beheizten Wohnungen zu trocken, viele überleben nicht lange oder suchen wieder das Weite“, erläutert Spinnen-Profi Gernot J. Bergthaler. Falls nun doch einer dieser ungebetenen Hausgäste seine Zelte im Wohnzimmer aufgeschlagen hat, bewahrt man am besten Ruhe und befördert den Achtbeiner mit Glas und Karton ins Freie. Denn auch dort können Hauswinkelspinnen den Winter überstehen. Zum Beispiel in einem Holzstapel, Hochbeet oder auf dem Balkon. Hauswinkelspinnen leben nämlich nicht nur eine Saison, sie können über zwei Jahre alt werden und trotzen Temperaturen von bis -5°C.

Pünktlich zur Primetime

Forschern der Uni Gloucestershire soll es übrigens gelungen sein, zu ermitteln, zu welcher Uhrzeit es am wahrscheinlichsten ist, einer Spinne über den Weg zu laufen. Die Wissenschaftler entwickelten dafür eine App und forderten britische Bewohner auf, ihre Begegnungen mit den Achtbeinern genau zu dokumentieren. Nahezu 10.000 Beobachtungen kamen zusammen, das Ergebnis: Die meisten Spinnen tauchen zwischen 18.00 und 21.00 Uhr auf, um Punkt 19.35 Uhr ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten.

„Primetime“-Spinne | Credit: Pixabay
Autor: Simone Reitmeier , 18.09.2020